









Félix Vallotton
Vallotton wurde der „ausländische Nabi“ genannt, zugleich scherzhaft und als treffende Diagnose. Er war Schweizer und stammte aus einer konservativen Familie in Lausanne; sein Temperament war kühler und distanzierter als das der Pariser Maler, zu denen er 1892 stieß. Die Nabis interessierten sich für Mystik und spirituelle Kunst. Vallotton dagegen interessierte, was zwischen Menschen geschieht, wenn sie glauben, niemand beobachte sie.

Biografie
Mit 17 Jahren zog er nach Paris und studierte an der Académie Julian. Seine in den 1890er-Jahren entstandenen Holzschnitte belebten ein Medium neu, das die meisten Druckgrafiker zugunsten der Farblithografie aufgegeben hatten. In reinem Schwarz-Weiß schnitzte er häusliche Innenräume, Straßenszenen und eine Serie namens *Intimites*: zehn Drucke über private Momente im Eheleben, mit Schwerpunkt auf Ehebruch, Täuschung und der besonderen Einsamkeit zweier Menschen im selben Zimmer. Die Bilder sind flächig, grafisch und psychologisch prägnant.
Seine Unterstützung für Alfred Dreyfus, den jüdischen Offizier, der zu Unrecht der Spionage beschuldigt wurde, belastete seine Beziehungen zu mehreren Nabis. 1899 kaufte er eine Kodak-Kamera und begann, Fotografien als Vorlagen für Gemälde zu verwenden. Dabei verwandelte er beobachtete Wirklichkeit in fiktionalisierte Kompositionen.
1899 heiratete er die Tochter des Kunsthändlers Alexandre Bernheim. Das brachte ihm finanzielle Sicherheit und Zugang zum Pariser Kunstmarkt. Er malte Akte, Stillleben und Landschaften mit glatter, beinahe klinischer Oberfläche, die Betrachter verstörte, die von Darstellungen nackter Frauen Wärme erwarteten.
Er schrieb drei Romane und acht Theaterstücke, die zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht wurden. Sein erster Roman, *La Vie Meurtriere* (Das mörderische Leben), erschien 1930 postum. Er starb am Tag nach seinem 60. Geburtstag.
Zeitleiste
- 1865Geboren in Lausanne, Schweiz, in eine protestantische Mittelschichtsfamilie; zeigte früh Begabung für Zeichnen und Musik.
- 1882Im Alter von 17 Jahren zog er nach Paris und schrieb sich an der Académie Julian ein. Im Louvre kam er bald unter den Einfluss von Holbein und Dürer, was ihn zu einer linearen, grafischen Bildsprache führte, die dem lockeren Impressionismus entgegenstand.
- 1892Im Alter von 27 Jahren schloss er sich gemeinsam mit Bonnard, Vuillard und Denis der Gruppe der Nabis an. Sie teilten das Interesse an flächiger Farbe, dekorativen Mustern und ausdrucksvoller Raumverzerrung.
- 1896Im Alter von 31 Jahren erlangte er breite Anerkennung für seine Holzschnitte, die scharfe Schwarz-Weiß-Kontraste mit bissiger Gesellschaftsbeobachtung verbanden. Seine Drucke erschienen regelmäßig in der Revue Blanche und verschafften ihm ein internationales Publikum.
- 1898Im Alter von 33 Jahren schuf er eine Folge von Holzschnitten zur Dreyfus-Affäre, die ihn als einen der politisch engagiertesten Grafiker Frankreichs etablierte. Die Bilder wurden vielfach in der Presse verbreitet.
- 1899Im Alter von 34 Jahren heiratete er Gabrielle Rodrigues-Henriques, die verwitwete Tochter des Kunsthändlers Bernheim. Die Ehe brachte finanzielle Sicherheit und die französische Staatsbürgerschaft; außerdem wurde er Teilhaber der Galerie Bernheim-Jeune.
- 1915Im Alter von 50 Jahren besuchte er die Westfront und schuf die Holzschnittserie *C'est la guerre*. Die sechs Drucke über die industrielle Anonymität der modernen Kriegsführung zählen zu den eindringlichsten Antikriegsbildern des 20. Jahrhunderts.
- 1925Er starb nach einer Operation im Alter von 60 Jahren in Paris. Er hinterließ ein außergewöhnlich vielfältiges Werk aus Holzschnitten, Gemälden und einem veröffentlichten Roman, das von derselben kühlen Präzision und psychologischen Unruhe geprägt ist.
Bedeutende Werke
Zum Vergrößern antippen.
Nächster Halt
Jugendstil →
Künstler und Ideen der Stilrichtung Jugendstil entdecken.
Kunstdrucke von Félix Vallotton
Von Hand veredelte Archivdrucke aus dem Werk von Félix Vallotton.
Holen Sie sich Félix Vallotton nach Hause.
Alle Kunstdrucke von Félix Vallotton ansehen →Häufig gestellte Fragen
Welchen Kunststil hatte Felix Vallotton?
Vallottons Stil vereinte ein breites Spektrum an Einflüssen, darunter Pointillismus, Naturalismus und ein von Hodler inspirierter Spätimpressionismus. Auch japanische Holzschnitte beeinflussten ihn, und nach der Jahrhundertwende bewegten sich seine Werke mit neorealistischen und expressionistischen Elementen in Richtung moderner Kunst. Er war zudem Mitglied der Nabis, einer Gruppe französischer Maler des späten 19. Jahrhunderts.Wie starb Félix Vallotton?
Félix Vallotton starb am Tag nach seinem 60. Geburtstag.Welcher Kunstrichtung gehörte Félix Vallotton an?
Félix Vallotton wird mit dem Jugendstil, dem Impressionismus, den Nabis, dem Postimpressionismus und dem Symbolismus in Verbindung gebracht.Wofür ist Félix Vallotton bekannt?
Vallotton ist bekannt für seine Holzschnitte aus den 1890er-Jahren, die zur Wiederbelebung dieser Technik beitrugen. Seine Serie Intimités, bestehend aus zehn Drucken, zeigt private Momente des Ehelebens und konzentriert sich oft auf Ehebruch und Einsamkeit. Er nutzte auch Fotografie als Vorlage für seine Gemälde und veränderte Kompositionen, um fiktionalisierte Versionen der Wirklichkeit zu schaffen.Welchem Kunststil folgte Félix Vallotton?
Vallottons Kunststil umfasste Elemente des Jugendstils, des Impressionismus und des Symbolismus, und er war mit den Nabis und dem Postimpressionismus verbunden. Seine Holzschnitte sind flächig und grafisch, mit psychologischer Schärfe. Seine Gemälde zeigten häufig ein glattes, klinisches Finish, selbst bei Akten, Stillleben und Landschaften.Wann starb Félix Vallotton?
Félix Vallotton starb 1925 im Alter von 60 Jahren.Wann wurde Félix Vallotton geboren?
Félix Vallotton wurde 1865 in der Schweiz geboren. Er starb 1925 im Alter von 60 Jahren.Wer war Félix Vallotton?
Félix Vallotton war ein Schweizer Künstler, der mit mehreren Kunstbewegungen verbunden war, darunter Jugendstil, Impressionismus und die Nabis. Als „Nabi étranger“ (fremder Nabi) bezeichnet, war Vallottons Temperament zurückhaltender als das seiner Pariser Zeitgenossen; in seiner Kunst konzentrierte er sich auf zwischenmenschliche Beziehungen. Er schrieb auch Romane und Theaterstücke, von denen jedoch keines zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde.
Quellen
Die redaktionellen Inhalte zu Félix Vallotton stützen sich auf die folgenden Primär- und Tertiärquellen.
- [1] Fachliteratur Félix Vallotton | Swiss-born French Painter & Graphic Artist | Britannica Verwendet für: Biografie.
- [2] Buch Beard, Lee, 1973- author, Butler, Adam, author; Van Cleave, Claire, author; Fortenberry, Diane, author; Stirling, Susan, author, Beard, Lee, 1973- author, Butler, Adam, author; Van Cleave, Claire, author; Fortenberry, Diane, author; Stirling, Susan, author - The Art Book_ New Edition, Mini Format Verwendet für: Biografie.
- [3] Buch Masterpieces of western art : a history of art in 900 individual studies from the Gothic to the present day Verwendet für: Biografie.
- [4] Buch Post-impressionism : cross-currents in European painting Verwendet für: Biografie.
- [5] Museum Crowds and Power in a Woodcut by Félix Vallotton - Guggenheim Museum Verwendet für: Stilanalyse.
- [6] Museum Félix Vallotton. Laziness (La Paresse). 1896 | MoMA Verwendet für: bedeutende Werke.
- [7] Museum Félix Vallotton | National Gallery of Art Verwendet für: Museumsbestände.
- [8] Museum Félix Vallotton: Painter of Disquiet | The Metropolitan Museum of Art Verwendet für: Ausstellungsgeschichte.
Redaktionell betreut von Solis Prints. Quellen geprüft am 20. Oktober 2026. Klicken Sie auf eine Quelle für Details, oder zeigen Sie oben auf der Seite auf [N], um eine Vorschau zu sehen.
Redaktionelle StandardsMethodikKorrekturenKI-OffenlegungÜber die Redaktion







